Akne inversa – sonderbare Form der Akne (Teil 1)

Hidradenitis suppurativa / Acne inversa, oder eingedeutscht „Akne inversa“, ist die schweste Form der Akne und unterscheidet sich maßgeblich von einer gewöhnlichen Pubertätsakne (Acne vulgaris). Sie ist zudem die große Unbekannte, denn die genaue Enstehung ist bis dato ungeklärt.

Unbekannt ist leider auch die genaue Zahl der Akne inversa-Betroffenen. Der Mittelwert von verschiedenen Studien liegt etwa bei 1,5 – 2 % in den westlichen Industrieländern.  Akne inversa entwickelt sich häufig nach der Pubertät. In selteneren Fällen aber auch in der Pubertät oder gar davor. Ein großes Risiko haben Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, wobei Frauen ein größeres Risiko besitzen. Laut einer Studie von Revuz JE et al aus dem Jahr 2008 („Prevalence and factorsassociated with hidradenitissuppurativa: results from two case-control studies“) liegt das Männer-Frauen-Risiko bei 1:2 bis 1:5. Die durchschnittliche Erstmanifestation liegt laut der o. g. Studie bei 23 Jahren.

Eine neue Studie hat zudem herausgefunden, dass bei präpubertären Fällen häufiger eine genetische Veranlagung vorliegt und die Ausbreitung der Entzündungen stärker ausgeprägt ist. (Deckers et al., Correlation of early-onset hidradenitis suppurativa with stronger genetic susceptibility and more widespread involvement, 2015)

Was ist Akne inversa? – Definition der Hautkrankheit

Erstmalig beschrieb der französische Mediziner Alfred-Armand-Louis-Marie Velpeau 1839 die Akne inversa. In den Anfangsjahren ging man von den Schweißdrüsen als Ursache für die Hauterkrankung aus. Deshalb gab der französische Chemiker Auguste Verneuil 1854 ihr den Namen Hidradenitis suppurativa. Erst später fand man heraus, dass die Talgdrüsen bzw. die Terminalhaarfollikel der wahrscheinliche Entstehungsort für die Krankheit sind. Von hier können Entzündungen auch auf die Umgebung des Follikels (und der Drüsen) übergehen.

Der Begriff sollte 1989 somit durch Acne inversa ersetzt werden. Beide Begriffe stellen allerdings nicht die genaue Entstehung der Krankheit dar. Deshalb werden heute beide Begriffe parallel (Hidradenitis suppurativa / Acne inversa) verwendet, bis die genaue Ursache erforscht ist.

Die Dermatologen Christos C. Zouboulis und Hjalmar Kurzen kommen in der Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa / Akne inversa zu folgender Definition: „Hidradenitis suppurativa / Akne inversa ist eine – eigentlich – häufige, multifaktorielle, chronische, entzündliche Erkrankung an Terminalfollikeln von Hautumschlagfalten, die zu ausgeprägten Vernarbungen und Behinderung führen kann und einem hohen aber stark unterschätzten Krankheitslast aufweist.“

Wie bekommt man Akne inversa? – Die Ursachen

Die komplette Aufklärung der Hidradenitis suppurativa / Akne inversa ist leider (noch) Zukunftsmusik. Besonders die Gründe für die Chronizität der Krankheit sind weiterhin ungeklärt. Des Weiteren sind auch der Erkrankungsverlauf und die zusammenhängenden Provkationsfaktoren nur teilweise bekannt. Als ziemlich wahrscheinlich gilt mittlerweile die Annahme, dass eine Verhornung mit Verschluss des oberen Anteil des Haarbalgs (ähnlich zur Acne vulgaris) der Auslöser ist. Durch Bakterien entstehen eitrige Entzündungen und anschließend Zysten (mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume).

Meist kommt es dabei zu einer übermäßigen Zellbildung, die das Grundgewebe Epithel vegrößert. Durch die Vergrößerung kann es wiederum zum Durchbruch des Haarbalgs mit nachfolgender eitrig-verschmelzender Entzündungsreaktion und Vernarbungen in der Haut kommen. Genau genommen entstehen – je nach Schwergrad – massive Gewebsschädigungen. Ungeklärt ist bisher die Frage, ob Drüsen nicht doch einen größeren Einfluss auf die Krankheit haben als bisher angenommen. Etwa durch die Abgabe eines unbekannten Faktors, der sich wiederum auf den oberen Teil des Haarbalgs auswirkt (Kurzen et al., What causes hidradenitis suppurativa?, 2008).

Wie man an den vorangegangen Ausführungen sehen kann, sind sich die Mediziner über die Ursache weiterhin uneinig. Es ist weiterhin die Aufgabe der Forschung, den genauen Auslöser ausfindig zu machen.

Auslöser und Triggerfaktoren

Im Gegensatz dazu, konnte man bereits etliche Übeltäter ausfindig machen, die das Risiko für eine Akne inversa erhöhen oder sie verschlimmern (können). Zu diesen sogenannten Triggerfaktoren zählen:

  • Genetische Veranlagungen: Experten gehen von einem defekten Gen aus, welches familiär vererbt wird. Fakt ist, dass eine Akne inversa innerhalb einer Familie gehäuft auftritt.
  • Entzündung der Haarfollikel
  • Bakterielle Besiedlungen: In betroffenen Haarfollikel konnten eine Vielzahl von Bakterien nachgewiesen werden. Das liegt daran, dass laut Beobachtungen die Monozyten der Betroffenen schwächer auf Bakterien reagieren. Sie antworten somit auch deutlich abgeschwächter auf Entzündungsreize.
  • Rauchen: Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 von Cesko et al (Smoking and obesity are associated factors in acne inversa: results of a retrospective investigation in 100 patients“), bei der 100 Patienten untersucht wurden, sind über 90 % der Betroffenen Raucher. Die Ursache liegt hauptsächlich am Nikotin. Dieses löst die o. g. Vergrößerung des Gewebes aus und fördert das Wachstum von Bakterien (v. a. Staphylococcus aureus). Das Nikotin in Zigaretten kann somit für Entzündungsschube verantwortlich gemacht werden.
  • Übergewicht/Adipositas: Über 50 % der Patienten leiden laut der gleichen Studie von Cesko et al an Übergewicht.  Das Risiko steigt zudem bei Zunahme des Körpermassenindexes (BMI).
  • Übermäßiges lokales Schwitzen: Feuchte Hautareale begünstigen Entzündungen und den Ausbruch der Krankheit.
  • Irritationen durch mechanische Eingriffe: Bspw. Kratzen oder eine Nassrasur kann die Acne inversa deutlich verschlimmern.
  • Stress und Schlafmangel

Akne inversa erkennen: Symptome

Im Anfangsstadium klagen Betroffene häufig über einen tiefsitzende, erbsengroße Knoten, der sich abrupt in eine Eiterbeule in einem neugeformten Hohlraum (Abszess) umwandeln kann. Abszesse verschmelzen in der Tiefe und brechen nach außen hin auf. Durch den Aufbruch eines Abzess‘ tritt häufig ein schlecht riechendes, wässrig-blutiges Sekret aus. Nichtsdestotrotz sind Papeln, Pusteln, Knoten und Abszesse zu dieser Zeit nur vorübergehend. Erst mit der Zeit wird die Hauterkrankung chronisch. Dann entstehen ganze Areale mit Abszesse und Fistelgänge und es kommt zur Narbenbildung.

Der Schweregrad lässt sich (nach Hurley) folgendermaßen klassifizieren:

  • Stadium I: Einzelne Abszesse, keine Fistelgänge oder Vernarbungen
  • Stadium II: Weit auseinander liegende Abszesse mit Fistelgänge und Narbenbildung
  • Stadium III: Ganze Areale mit Abszesse, Fistelgänge und Narben

Worin besteht der Unterschied zur „gewöhnlichen“ Akne?

Genau genommen ist diese Art von Hauterkrankung gar keine Akne. Und gewöhnlich ist sie schon gar nicht. Bei der Akne inversa sind nämlich tiefe Bereiche des Haarbalgs betroffen, während bei einer Acne vulgaris ausschließlich obere Teile, auch Akroinfundibulum genannt, und nach außen gewölbte Hautoberflächen betroffen sind. Es entstehen bei einer Akne inversa auch keine geschlossenen Mitesser. Leider wurden in der Vergangenheit häufig falsche Diagnosen gestellt. Nicht selten kam es vor, dass die Acne inversa mit Farunkel oder Karbunkel verwechselt wurden. Dabei kann man schwere Verläufe durch die rechtzeitige Einleitung einer Therapie vermeiden.

Wo tritt Akne inversa auf? – Lokalisation

Akne inversa entsteht häufig an den Umschlagfalten bzw. Beugeregionen des Körpers. Laut einer französischen Studie aus 2009 von Canoui-Poitrine et al. („Clinical characteristics of a series of 302 French patients with hidradenitis suppurativa, with an analysis of factors associated with disease severity“) findet man die Hautkrankheit häufig im Leistenbereich (90 %), an den Achseln (69 %), im Afterbereich und zwischen After und äußeren Geschlechtsorgan (37 %), am Po (27 %), unterhalb der Brust (18 %), zwischen Leiste und Genital und am Venushügel. Seltener sogar im Gesicht (bspw. Augenlider) oder am Rücken. Fast immer sind bei Betroffenen mehr als eine Körperstelle betroffen.

Mit dem ersten Teil unserer Serie konnten wir hoffentlich ein bisschen Licht ins Dunkel der Hautkrankheit bringen. Im zweiten Teil dieser Serie geht es dann um die Behandlungen bzw. der Therapie von Acne inversa.

Vorweg möchten wir an dieser Stelle gerne auf weitere qualitative Quellen verweisen: Die Akne Inversa Selbsthilfegruppe bietet gute Informationen und Unterstützung zum Thema. Die aktuelle „Acne inversa / Hidradenitis suppurativa“ Leitlinie, verfasst von rennomierten Hautärzten, bietet einen umfangreichen wissenschaftlichen Background zur Therapie der Krankheit. Die Kollegen von akne-blog.de haben zudem ebenfalls eine tolle Artikelserie über Acne Inversa geschrieben.

Akne inversa – sonderbare Form der Akne (Teil 1) was last modified: August 19th, 2015 by quicklebendig

Über den Autor

quicklebendig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folgende HTML Tags und Attribute kannst Du benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

akne-besiegen.de Copyright © 2017